Internationales
20.11.2006 Wissenschaftliche Recherche des WSI Dänemark: Kein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Kündigungsschutz
Der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit in Dänemark während der 90er
Jahre lässt sich nicht durch das Kündigungsschutz-Niveau in dem
nördlichen Nachbarland erklären. Heute gelten in Dänemark dieselben
Kündigungsschutz-Regelungen wie im Jahr 1993, als die Arbeitslosenquote
noch bei 10,2 Prozent lag. Das zeigt eine wissenschaftliche Recherche
von Arbeitsrechts-Expertinnen des Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.
Zudem ist die Absicherung gegen Kündigungen in Dänemark zwar schwächer
als in Deutschland, aber gleichwohl stärker, als manche
Vergleichsstudien ausweisen. Der Grund: Es gibt nur relativ wenige
gesetzliche Bestimmungen. Doch bei immerhin 60 bis 70 Prozent der
dänischen Beschäftigten regeln Tarifverträge den Kündigungsschutz.
"Es ist falsch, einen Zusammenhang zwischen dem niedrigeren
Kündigungsschutz-Niveau und der niedrigen Arbeitslosenquote
herzustellen. Denn an den tarifvertraglichen
Kündigungsschutz-Regelungen wurde seit mehreren Jahrzehnten praktisch
nichts geändert", betonen die Forscherinnen um die Arbeitsrechtlerin
Prof. Dr. Heide Pfarr. Wie die WSI-Auswertung vorliegender
Forschungsliteratur zeigt, setzten die dänischen Arbeitsmarktreformen
seit 1993 gar nicht beim Kündigungsschutz an. Die Politik änderte
vielmehr die Regelungen zur Arbeitslosenvermittlung und zum Bezug von
Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. So wurde beim Arbeitslosengeld die
Höchstbezugsdauer von neun auf vier Jahre gekürzt. Gleichzeitig
erhielten Arbeitslose das Recht, einen individuellen Handlungsplan mit
der Arbeitsverwaltung abzuschließen - ein Anspruch, der zugleich auch
verpflichtend ist. Arbeitslosen, die mehr als ein Jahr ohne
Beschäftigung sind, muss eine Weiterbildung oder eine andere
beschäftigungspolitische Maßnahme angeboten werden. Wer länger als ein
Jahr arbeitslos ist, muss zudem jede zugewiesene Stelle annehmen, um
Sanktionen zu vermeiden.
190 Millionen GewerkschafterInnen gründen „Internationalen Gewerkschaftsbund“
Michael Sommer: „Ein historischer Tag“
Seit Anfang der Woche treffen sich in Wien rund 1500 Gewerkschafter aus
aller Welt, um den Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) zu gründen.
Dabei schließen sich der „Internationale Bund Freier Gewerkschaften
(IBFG) und der „Weltverband der Arbeit“ (WVA) zusammen. Weitere
nationale Gewerkschaften, die bisher in keinem der beiden Weltverbände
organisiert waren, stoßen dazu. So zum Beispiel die französische
Gewerkschaft CGT sowie große Gewerkschaften aus Argentinien, Kolumbien
und Uruguay.
Der IGB wird rund 190 Millionen Mitglieder haben. Als Vorsitzende wird
am Freitag voraussichtlich die australische Gewerkschaftsführerin
Sharon Burrow gewählt. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer ist als
Erster stellvertretender Vorsitzender vorgesehen. Außerdem soll er Chef
des Lenkungsausschusses werden – des zentralen Entscheidungsgremiums
des neuen Verbandes. Sitz des IGB ist Brüssel.
Michael Sommer sprach von einem „historischen Tag“. Die internationale
Gewerkschaftsbewegung sei jetzt besser aufgestellt als jemals zuvor.
Das werde sich auch im kommenden Dezember zeigen, wenn der IGB mit den
internationalen Finanzinstituten - dem Internationalen Währungsfond und
der Weltbank - zusammentreffe. Dann, so Michael Sommer, „werden wir die
soziale Dimension ihrer Politik in Rechnung stellen“.
Die Gründung des IGB beendet die Konkurrenz unter den alten
Gewerkschaftsverbänden. Durch die Globalisierung hat sich die
Notwendigkeit ergeben, international mit einer Stimme zu sprechen. „Die
Globalisierung hat uns harmonisiert“, sagt der DGB-Experte Jürgen Eckl.
Der designierte Generalsekretär des IGB, Guy Ryder, bezeichnete die
Gründung des IGB als notwendigen Schritt, um mit geeinter Stimme den
Herausforderungen der Globalisierung entgegentreten zu können.
Davon profitieren auch die Arbeitnehmer/innen in der sogenannten
Dritten Welt. Grundlegende Arbeitsnormen lassen sich leichter
erkämpfen, wenn die nationalen Gewerkschaften auf das Netz eines großen
internationalen Dachverbandes zurückgreifen können.
Der Kongress verpflichtet den IGB „zu einer fundamentalen Änderung der
Globalisierung, damit die Arbeitnehmer/innen, die Arbeitslosen und die
Armen davon profitieren können“, heißt es im Programmentwurf. Die
Politik des freien Marktes und des Neoliberalismus müssten durch eine
Politik ersetzt werden, die menschenwürdige Arbeit für alle schafft,
universelle Arbeitnehmerrechte sicherstellt, die drei Säulen
Wirtschaft, Soziales, Ökologie miteinander verbindet, Massenarmut
beendet und für eine gerechte Einkommensverteilung sorgt. Dabei stehen
die Bekämpfung sozialer Ungleichheiten und der Einsatz für eine
Umverteilung im Mittelpunkt.
Der Ablaufplan des Kongresses sieht für den Dienstag (30.10.) die
Auflösung der bisherigen Gewerkschaftsbünde IBFG und WVA vor. Am
Mittwoch (1.11.) soll die Gründung des IGB erfolgen. Es werden reden,
der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, der Generaldirektor
der IAO/ILO, Juan Somovia und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Am
Donnerstag (2.11.) gibt es mehrere Diskussionsforen, zum Beispiel über
die „Soziale Dimension der Globalisierung“. Bei einem Forum über gute
Unternehmensführung (Corporate Social Responsabilitiy) wird auch der
Microsoft-Gründer Bill Gates teilnehmen.
Am Freitag (3.11.) finden die Vorstandswahlen statt.
Weitere Informationen unter: www.icftu.org