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Arbeitsergebnisse: Veranstaltungen, Broschüren

Hier wird die Gewerkschaftsgeschichte aufgearbeitet

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Einheitsfront Freiheitsfront - Volksfront

Am 2. Juli 1934 einigen sich die saarländische Sozialdemokratische Partei und die saarländischen Kommunisten auf ein Einheitsabkommen, um gemeinsam die Kampagne zu führen für die Volksbefragung vom 13. Januar 1935 und die Entscheidung, ob das damalige Saargebiet weiterhin unter der Regie des Völkerbundes stehen oder an Hitler-Deutschland angeschlossen (ausgeliefert) werden soll.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wird der Begriff "Einheitsfront" verwendet zur Bezeichnung von Bündnissen in Europa, die die Arbeiterparteien eines Landes einschließlich der Kommunisten umfassen. Durch gemeinsames Vorgehen soll der scheinbar unaufhaltsame Vormarsch faschistischer Bewegungen im jeweiligen Land und der Expansionsdrang Hitlers und Mussolinis aufgehalten werden. Als "Volksfront" werden Bündnisse benannt, in denen sich außerdem bürgerliche, sei es liberale oder katholische Kräfte zum antifaschistischen Kampf sammeln. Die saarländischen Sozialdemokraten benutzen zeitweilige den Begriff "Freiheitsfront", weil sie befürchten, der Terminus "Einheitsfront" (der "marxistischen" Parteien) könne die bürgerlichen Kräfte abschrecken und in die Arme Hitlers treiben. Inhaltlich bezeichnet "Freiheitsfront" im übrigen auch genauer, worum es geht: Um die Freiheit von der Nazidiktatur!

Darüber hinaus verweist das Etikett "Freiheitsfront" auf die beiden Grundschwächen der Einheitsfront: Einerseits bildet sie ein reines Negativbündnis gegen Hitler; auf positive Ziele nach der Befreiung vom Nationalsozialismus können sich Kommunisten und Sozialdemokraten nicht wirklich einigen. Andererseits versuchen die Sozialdemokraten mit der "Freiheitsfront", die Kommunisten öffentlich auf eine freiheitliche Politik festzulegen, die sie eigentlich von den aus Moskau gelenkten Propagandisten der "Diktatur des Proletariats" nicht erwarten.

Tatsächlich ist das Bündnis der beiden Arbeiterparteien geprägt von einem gegenseitigen abgrundtiefen Mißtrauen, welches sich noch verschlimmert durch die jeweiligen Erfahrungen der aus dem Reich seit dem 30.1.1933 ins Saargebiet strömenden Emigranten. Namentlich deutsche Sozialdemokraten kritisieren am Lenin/Stalinschen Kommunismus dessen rein taktische, also unglaubwürdige Haltung zu Freiheit und Demokratie, den Bolschewismus lehnen sie ab als schlimmste Revision und Perversion des Marxismus. Kurt Schumacher, der erste Vorsitzende der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg prägt schon vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten auf die deutschen Kommunisten seinen berühmt-berüchtigten Begriff von den "rotlackierten Faschisten". Taktisch bedingt waren sozialdemokratische Vorbehalte, weil nicht nur führende Politiker wie Erich Ollenhauer befürchteten, eine Anerkennung von Kommunisten als ebenbürtiger Koalitions- und Aktionspartner erleichtere diesen die Absicht, Teile des linken SPD-Flügels abzuwerben, um die Sozialdemokratie insgesamt zu schwächen und handlungsunfähig zu machen.

Seit einem Kurswechsel der Komintern (Kommunistische Internationale) 1928 sehen die Kommunisten europaweit in Sozialisten und Sozialdemokraten ihrerseits nur noch "Sozialfaschisten", die übelsten Agenten von Kapital und Faschismus innerhalb der Arbeiterklasse; diese "Verräter" gelten von 1928 bis 1934 als Hauptgegner des Kommunismus und werden deshalb mit allen Mitteln bekämpft, verfolgt und - wo es möglich ist - liquidiert. Der Vorwurf des "Sozialdemokratismus" kommt in Moskau einem Todesurteil gleich.

Die saarländische Einheits- bzw. Freiheitsfront ist mehr als ein regional- oder nationalgeschichtliches Ereignis. Ihre europäische Bedeutung erhält sie, weil sie im Zusammenhang gesehen werden muß mit ähnlichen Entwicklungen wie dem Arbeiteraufstand in Wien und Linz, der Revolte in Asturien (Spanien), dem "Front populaire" in Frankreich (alle 1934) und dem Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939. Was die Kommunisten tatsächlich von der Einheitsfront halten zeigt sich, als sie ab 1937 weite Teile der spanischen demokratischen Linken skrupellos liquidieren (Bürgerkrieg im Bürgerkrieg). Auch als politische Idee erledigt ist die "Einheitsfront", als die Kommunisten mit dem Hitler-Stalin-Pakt (Nicht-Angriffsabkommen zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland) von 1939 ihren antifaschistischen Widerstand einstellen und erst wiederaufnehmen nach dem Überfall der Nazis auf die Sowjetunion 1941.

Wilfried Busemann

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